Interview mit Dr. Bettina Rudert

Dr. Bettina Rudert
Dr. Bettina Rudert
DRK Pflege und Betreuung Duisburg gGmbH
„Pflegecampus ist für uns kein digitales Archiv. Wir haben damit ein lebendiges QM aufgebaut.“

Dr. Bettina Rudert verantwortet das Qualitätsmanagement der DRK Pflege und Betreuung Duisburg gGmbH. Zum Unternehmen gehören mehrere Tagespflegen, zwei ambulante Dienste und ein Hausnotrufdienst. Im Interview erzählt sie, wie aus einzelnen PDFs, Pflichtschulungen und verteilten Informationen ein digitales System geworden ist, das im Alltag wirklich genutzt wird.

Als Sie gestartet sind: Wie sah Fortbildung und QM bei Ihnen aus?

Als ich in der DRK Pflege und Betreuung Duisburg gGmbH als QMB angefangen habe, hatten sich meine Kollegen schon für Pflegecampus entschieden. Meine Aufgabe war dann, Pflegecampus einzurichten und für alle Bereiche nutzbar zu machen.

Die Ausgangssituation war: Es gab viele PDFs, jede Einrichtung hat eher für sich gearbeitet und die PDLs waren auf sich selbst gestellt. Fortbildung und QM sollten zentral aufgebaut werden, dazu brauchten wir ein System, das für alle Bereiche gemeinsam funktioniert.

Sehr hilfreich war, dass wir Daten der Mitarbeitenden aus unserem Pflegedokumentationsprogramm übernehmen konnten und Pflegecampus über eine Schnittstelle mit euregon.snap verbinden konnten. So haben wir zuerst das E-Learning eingerichtet, weil die Fortbildungsplanung gebraucht wurde. Als wir gesehen haben, dass das gut läuft, sind wir auch an das QM-Handbuch gegangen. Später kamen noch die Führerscheinkontrolle und der Arbeitsschutz dazu.

Was hat sich durch Pflegecampus im Fortbildungsalltag verändert?

Früher haben unsere PDLs die Pflichtschulungen selbst durchgeführt, oft mit Vorlagen, die irgendwo zusammengesucht wurden. Heute läuft das deutlich einfacher: Die Schulungen sind digital verfügbar, die Mitarbeitenden können sie flexibel bearbeiten, und die PDLs sehen, wer abgeschlossen hat.

Gerade im ambulanten Dienst ist das ein großer Unterschied. Wenn Schulungen nur vor Ort stattfinden, ist es schwer, alle zusammenzubekommen. Viele Mitarbeitende sind auf Tour und müssten danach noch einmal in die Einrichtung fahren. Mit Pflegecampus können sie ihre Schulungen dann machen, wenn es in ihren Alltag passt.

Für die Leitungskräfte bedeutet das: weniger Papier, weniger Nachhalten, weniger Schulungsorganisation auf Zuruf. Stattdessen gibt es einen digitalen Überblick, der jederzeit zeigt, wo das Team steht.

Wie nehmen Ihre Mitarbeitenden das E-Learning an?

Sehr gut. Wir hatten schon im ersten Jahr eine hohe Abschlussquote, und viele Mitarbeitende machen die Schulungen wirklich zuverlässig.

Was gut ankommt, sind die Lernsterne. Einige schauen tatsächlich, wer schon wie viele Sterne gesammelt hat. Da entsteht ein kleiner spielerischer Wettbewerb und plötzlich wird Fortbildung nicht nur erledigt, sondern auch ein bisschen mit Ehrgeiz gemacht.

Schön ist auch, dass wir schnell auf Themen reagieren können. Wenn im Team ein Thema wichtig wird, suchen wir in Pflegecampus die passende Schulung heraus. Beim Thema Deeskalation im Umgang mit Menschen mit Demenz haben wir zum Beispiel die Inhalte genutzt und daraus zusätzlich eine Besprechung im Team gemacht. Dieser Wechsel aus digitalem Lernen und persönlichem Austausch funktioniert für uns sehr gut.

Sie nutzen Pflegecampus auch als digitales QM-Handbuch. Was ist daran für Sie besonders wertvoll?

Für mich ist der große Vorteil, dass Schulungen und QM-Handbuch in einem System zu finden sind. Ich muss Mitarbeitende nicht mehrfach anlegen, und ich kann Themen aus dem Handbuch direkt mit Schulungsthemen verbinden.

Das Handbuch ist außerdem nicht nur etwas für den Schreibtisch. Die Mitarbeitenden können es in der App, im Browser oder am Rechner nutzen. Gerade im ambulanten Dienst ist das wichtig. Die Kolleg*innen sind nicht ständig in der Einrichtung, können aber trotzdem einen Standard nachlesen oder sich schnell informieren.

Und es sieht modern aus. Das klingt vielleicht nebensächlich, ist es aber nicht. Wenn ein digitales Handbuch altbacken wirkt oder schwer zu bedienen ist, wird es im Alltag nicht gerne genutzt. Pflegecampus ist einfach zugänglich. Man kann Inhalte hochladen, Bilder ergänzen, Dokumente einbinden und wichtige Informationen sichtbar machen.

Wann wird aus einem QM-Handbuch ein lebendiges QM?

Für mich dann, wenn es nicht nur irgendwo liegt, sondern wirklich benutzt wird.

Genau das sehen wir inzwischen. Mitarbeitende suchen Standards, lesen Informationen nach, fragen nach, wenn sie etwas nicht finden, oder sagen, was noch ins Handbuch gehört. Das zeigt mir: Das QM ist im Alltag angekommen.

Wir nutzen das Handbuch nicht nur für klassische QM-Inhalte. Auch Dienstanweisungen, aushangpflichtige Gesetze, Betriebsanweisungen, Gebrauchsanweisungen oder andere wichtige Informationen können dort ihren Platz finden. Wenn man das einmal aufgebaut hat, wird es zu einem zentralen Kommunikationswerkzeug.

Welche Rolle spielt die Pinnwand für Ihre interne Kommunikation?

Eine ziemlich praktische. Gerade im ambulanten Dienst ist es schwierig, alle Mitarbeitenden gleichzeitig zu erreichen. Über die Pinnwand können wir Informationen sichtbar machen, die alle betreffen, zum Beispiel zur Betriebsratswahl, zu einem neuen Tarifabschluss oder zu anderen aktuellen Themen.

Wenn dort etwas Spannendes steht, schauen die Mitarbeitenden rein. Und dann sehen sie oft auch gleich andere Inhalte. So entsteht Aufmerksamkeit, ohne dass man alles einzeln hinterhertragen muss.

Wir hinterlegen außerdem Ansprechpartner*innen mit Telefonnummern, zum Beispiel für den Arbeitsschutz. Auch das hilft im Alltag, weil die Informationen dort stehen, wo die Mitarbeitenden ohnehin unterwegs sind.

Sie haben im Gespräch auch das Thema Arbeitsschutz angesprochen. Warum ist das für Sie so interessant?

Arbeitsschutz ist ein komplexes und wichtiges Thema. Wir suchten nach einer digitalen Lösung, die den Arbeitsaufwand minimiert und sicherstellt, dass wir die gesetzlichen Vorgaben umsetzen.

Wir haben mit dem Arbeitsschutzmodul in Pflegecampus den Arbeitsschutz für alle unsere Einrichtungen organisiert: von Unterweisungen und Gefährdungsbeurteilungen mit Maßnahmenverfolgung bis zum Verbandbuch, Gefahrstoff- und Biostoffverzeichnis sowie Betriebsanweisungen.

Bei der anschließenden Prüfung durch die BGW war die Prüferin vom Modul und den Unterweisungen begeistert und lobte sie als modern, ansprechend, umfassend und leicht zu handhaben. Die Prüfung verlief fehlerlos.

Was ist für Sie das stärkste Argument für Pflegecampus?

Dass alles an einem Ort zusammenkommt: Fortbildung, QM-Handbuch, Dokumente, Informationen und interne Kommunikation.

Pflegecampus ist für uns kein digitales Archiv. Wir haben damit innerhalb eines Jahres ein lebendiges QM aufgebaut. Die Inhalte sind erreichbar, die Mitarbeiter nutzen sie, und Leitungskräfte können nachvollziehen, was gelesen oder abgeschlossen wurde. Das macht im Alltag den Unterschied.
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